111 Tätigkeiten: City Streife

2019-04-09 09:19 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Er wächst stark und ist Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen, Verhandlungen und Medienberichte – der Einsatzbereich City Streife. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die City Streife stark gewachsen. Denn Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und ganze kommunale Bereiche möchten mehr Sicherheitsgefühl vermitteln.

city-streife-flash-security-logoUnd das wird dringend gebraucht in Zeiten wachsender Gefahrenherde, Unsicherheit und Angst vor bedrohlichen Situationen. Ein Grund, warum auch Städte vermehrt auf private Sicherheitsdienstleister zur Unterstützung setzen.

Im Interview mit Mathias Wiegand, Bereichsleiter der flash-security, stellen wir den Einsatzbereich vor, den es vor 20 Jahren noch gar nicht gab und der jetzt umso starker wächst.

 

Herr Wiegand, würden Sie Ihr Unternehmen kurz vorstellen und dabei besonders auf den Einsatzbereich der City-Streife eingehen?

flash-security gibt es seit 1996 und wurde im April 2018 mit René Fessen als Geschäftsführer strukturell neu aufgestellt. Er sorgt mit seinen Ansätzen für reichlich frischen Wind.

Wir setzen unsere Schwerpunkte auf die Hotellerie, Gewerbeparks, City Streifen und Executive Events. Die Bestreifung eines Wohngebiets gab es bis zu unserem Start im Jahre 2000 noch nicht als eigenständige Leistungsart. Der Begriff „City Streifen“ hat sich dann erst im Laufe der Zeit gefestigt und ich denke und hoffe, dass wir einen Anteil daran hatten.

 

In den letzten Jahren gab es einen regelrechten „Boom“ des Einsatzbereiches. Immer mehr Kommunen setzen auf private Sicherheitsdienste um für mehr Sicherheitsgefühl in den Städten zu sorgen. Haben Sie eine ähnliche Entwicklung in den letzten Jahren erlebt?

Ja, auch wir haben einen deutlichen Anstieg im Bereich City- & Hotelstreife verzeichnet. Durch den Abbau der Polizei und die damit fehlende Präsenz für das Sicherheitsgefühl, wächst der Bedarf an Sicherheitspersonal in vielen Bereichen.  

 

In diesem Zuge: Wie wird sich der Einsatzbereich perspektivisch in den nächsten Jahren verändern?

Ein privater Sicherheitsdienst wird, ob aus Vermarktungszwecken oder aus präventiver Sicht, gerne und auch immer häufiger eingesetzt.

Die Sicherheitskräfte vermitteln beispielsweise den Mietern und Vermietern ein Sicherheitsgefühl und verhindern durch die entsprechende Präsenz und die kürzeren Reaktionszeiten häufig Übergriffe und Vandalismus. Dadurch wiederum können Kosten für die Beseitigung von Schäden durch solche Übergriffe gesenkt oder direkt dem Verursacher zugeordnet werden.

Wir gehen von einem weiteren Wachstum aus, jedoch in der Kombination mit ergänzenden oder sogar ersetzenden Technikkomponenten. Hier könnten eventuell für größere Bereiche Videotürme oder sogar auch Überwachungsdrohnen zum Einsatz kommen.

 

Die Mitarbeiter der City-Streife haben an sich die gleichen Rechte, wie jeder andere Bürger auch. Ganz ehrlich: Ist das hinderlich dabei Störenfriede von ihrem Platz zu verweisen bzw. ernst genommen zu werden?

Es kommt schon gelegentlich vor, dass wir mit Personen zu tun haben, die auf stur schalten. Ich sage immer: „Was es braucht sind ein selbstbewusstes und freundliches Auftreten und ‚Zähne zeigen‘, denn Lächelt tut nicht weh“.

Ein sicheres, freundliches Auftreten löst viele Probleme von ganz allein. Grundsätzlich sollte immer eine faire Kommunikation stattfinden. Der „Störer“ ist in den meisten Fällen ein Mieter und hat auch seine Rechte. Gelegentlich müssen wir dann aber doch daran erinnern, dass wir zu jedem Vorfall einen Bericht an den Kunden verfassen.

Was im Bericht dann drin steht, entscheidet der Mieter mit seinem Verhalten selbst – entweder zeigt er dann Einsicht oder bleibt uneinsichtig.

 

Da ein Sicherheitsdienst nicht über die Jedermannsrechte hinaus agieren darf, muss bei Vorfällen die Kommunikation mit der Polizei umso schneller geschehen. Gibt es hierfür spezielle Kommunikationskanäle zwischen Sicherheitsdienst und Polizei?

Zu unseren internen Qualitätsstandards zählen auch die Maßnahmen im Vorfeld eines Einsatzes. Das heißt, dass wir vor Ausführung des Auftrages den zuständigen Abschnitt kontaktieren. Wir stellen uns vor und erklären unsere Aufgabe im Wohngebiet. Sollten wir dann doch einmal die Hilfe der Polizei benötigen, nutzen wir meist die Nummer dieses zuständigen Abschnitts. Diese sind dann bereits interveniert, die Kommunikation und Handlungen erfolgen dann dementsprechend zügig.

Zusätzlich gibt es außerdem regelmäßige Treffen mit unseren Kunden und der Polizei zum Informationsaustausch. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass ein guter Kontakt zur Polizei sehr hilfreich ist. Mittlerweile kennt man flash-security in Berlin. Das hilft uns natürlich außerdem.

 

In welchen städtischen Bereichen sehen Sie generell immer einen Bedarf an zusätzlicher Bestreifung durch private Sicherheitsdienstleister?

Das kann man eigentlich gar nicht so genau sagen. Was man sagen kann ist, dass viele Jugendliche Flausen im Kopf und spontane Ideen haben. Hieraus entstehen dann Ruhestörung und Vandalismusschäden, welche wir versuchen, einzudämmen. Ein sozialer Hintergrund kann natürlich auch hier seinen Teil dazu beitragen.

 

Wie sieht ein typischer Einsatztag eines Sicherheitsmitarbeiters sowie eines Einsatzleiters der City Streife aus?

Die Kollegen melden sich zum Dienstbeginn bei unserer Einsatzzentrale an, diese befindet sich in Berlin. Hier werden sie dann kurz über aktuelle Themen bzw. neue Schwerpunkte informiert.

Die vorgegebenen Kontrollpunkte, die mit unseren Dienstwagen abgefahren werden, unterscheiden sich je nach Kunde und Objekt. Im Grunde bewegen wir uns im Gebiet flexibel. Niemand soll ein Muster unserer Tour erkennen können.

Da unsere Diensttelefone und Fahrzeuge GPS-gestützt sind, haben unsere Kollegen aus unserer Einsatzzentrale aus Sicherheitsgründen immer ein wachsames Auge auf die eingesetzten Sicherheitskräfte. Sollte hier einmal eine Streife Hilfe benötigen, muss nur der SOS-Knopf gedrückt werden. Die Zentrale bekommt dann genau den Standpunkt und kann weitere Kollegen zur Unterstützung entsenden oder im Bedarfsfall die Polizei hinzuziehen. 

Im Laufe Einsatzes wird das Objekt vom Kunden bestmöglich bestreift. Standard-Kontrollen sind hier die Innenhöfe, Spielplätze, Hauseingänge und Kellerbereiche, auf denen sich ohne den Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes so einiges abspielen kann.

Wir merken, dass die Menschen um das Objekt herum unsere Arbeit toll finden und gern persönlich mit uns ins Gespräch kommen. Das zeigt die starke Akzeptanz unserer Arbeit, was uns sehr freut.

 

Was bieten Sie selbst Ihren potentiellen Bewerbern neben Abwechslung im Job?

Natürlich ist uns unsere Außenwirkung sehr wichtig. Daher bieten wir unseren Mitarbeitern eine kostenfreie Mitgliedschaft im Fitnessstudio an. Sport verbindet und fördert die Körperliche Fitness.

 

Erzählen Sie uns von Ihrem spannendsten?

Da gibt es einige von denen man erzählen kann. Einer dieser Fälle spielte sich in den Wintermonaten ab. Eine Zeit, in der wir verstärkt nach dem Rechten auf größeren Parkplätzen schauen, um in erster Linie präventiv Autoeinbrüchen vorzubeugen. Wie sich herausgestellt hat, sind nicht nur Autoeinbrüche versuchte Vergehen, die an solchen Orten durchgeführt werden.

Bei einer nächtlichen Routinekontrolle konnten wir hier Hilfeschreie einer Frau hören. Wir eilten sofort zur Stelle und ertappten eine männliche Person, die gerade dabei war die Hose herunterzulassen. Vor ihm lag eine weinende Frau auf der Rückbank eines PKW.  Wir kamen gerade noch rechtzeitig und konnten Schlimmeres verhindern. Wir überwältigten den Mann und zogen die Polizei sowie einen Rettungswagen für die Frau hinzu. Es war ein tolles Gefühl, diesen Vorfall verhindert zu haben.

 

Was müssen Interessierte für die Tätigkeit mitbringen?

Um als Sicherheitsmitarbeiter arbeiten zu dürfen, benötigt man ein eintragungsfreies Führungszeugnis. Nach einer Schulung und dem Ablegen einer schriftlichen und mündlichen Prüfung, erhält man das Sachkundezertifikat nach §34a GewO. Mit dieser Qualifikation darf dann gearbeitet werden. Körperliche Fitness und ein selbstbewusstes Auftreten gehören natürlich ebenfalls dazu.

 

Wie verhält es sich mit Nachfrage und Bewerbungen für den Einsatzbereich?

Bewerbungen gibt es einige, allerdings stellt sich oft heraus, dass die ständige Nachtarbeit nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Deshalb gibt es in diesem Bereich auch Fluktuationen. Grundsätzlich ist unsere Tätigkeit in der Citystreife sehr interessant und abwechslungsreich. Kein Tag gleicht dem anderen und genau das macht es jeden Tag aufs Neue so spannend.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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© Bild: Flash Security

 

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