111 Tätigkeiten: Hafen- und Seesicherheit

2019-05-16 01:31 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Piraterie, blinde Passagiere und internationaler Seeverkehr –  So stellt man sich den Einsatzbereich der Hafen- und Seesicherheit zumindest vor, wenn man der Filmbranche glaubt. Was auf Sicherheitskräfte bei Ihrer täglichen Arbeit im Hafen wartet, das erklärt Carsten Klauer, Geschäftsführer der POWER PERSONEN-OBJEKT-WERKSCHUTZ GmbH, im Interview.

Zum Unternehmen

carsten-klauer-power-personen-objekt-werkschutz-gmbh-hafensicherheitDie POWER PERSONEN-OBJEKT-WERKSCHUTZ GmbH wurde in Hamburg vor Jahrzehnten gegründet und hier befindet sich, neben 14 weiteren Standorten, nach wie vor der Hauptsitz.

Da bleibt es nicht aus, auch im Bereich der Hafen- und Seesicherheit für Schutz und Sicherheit zu sorgen. Inzwischen arbeitet das Unternehmen seit Jahrzehnten für eine Werft in Hamburg und auch einige weitere Werften sowie für eine Reihe von Hafenbetrieben und Reedereien.

 

Herr Klauer, welchen Prozentteil macht die Hafensicherheit in ihrem Dienstleistungsrepertoire aus?

Wir sind mit unserer Unternehmensgruppe mittlerweile an mehreren Standorten in Deutschland tätig. Dort geht es typischerweise weniger um Hafensicherheit, sodass der prozentuale Anteil an diesem Geschäftsfeld bei insgesamt unter 10 Prozent unseres Umsatzes liegt. Aber für unseren Standort in Hamburg ist der Anteil natürlich um einiges größer.

Carsten Klauer, Geschäftsführer der
POWER Personen-Objekt-Werkschutz GmbH

 

Nehmen wir an, ich bin Quereinsteiger in dem Einsatzbereich. Was muss ich über den ISPS-Code wissen?

ISPS steht für „International Ship and Port Facility Security“ und wurde nach den Anschlägen in New York 2001 entwickelt und in Kraft gesetzt. Die für unsere Branche interessanten Punkte, die im ISPS-Code geregelt sind, beziehen sich auf die Hafen- und Schiffssicherheit.

Jeder Hafenbetrieb, der Seeschiffe ab einer bestimmten Größenordnung abfertigt, muss über einen PFSO verfügen, einen Port Facility Security Officer. Sein Gegenpart auf dem Schiff nennt sich SSO – Ship Security Officer. Beide haben die Sicherheitsmaßnahmen für ihre jeweiligen Bereiche umzusetzen und tauschen sich rechtzeitig, bevor das Seeschiff an den Hafenbetrieb geht, aus.

Je nach Gefährdungslage werden unterschiedliche Sicherheits-Level durch die Sicherheitsbehörde im Hafen (in Hamburg: Hamburg Port Authority) in enger Abstimmung mit der Polizei festgelegt. In Hamburg ist dies aktuell Level 1. Das ist aber auch der niedrigste Level und seit Bestehen des ISPS-Codes wurde nur an ganz wenigen Tagen Level 2 oder gar Level 3 ausgerufen.

Eine Level-Erhöhung hat die Umsetzung zuvor festgelegter Sicherheitsmaßnahmen zur Folge.

 

Sie werben für die Sicherung des gesamten Hafenbetriebs – Was darf man sich alles darunter vorstellen?

power-hafen-und-seesicherheit-hund-schiffDie Sicherung eines gesamten Hafenbetriebs hat einige interessante Aufgabenbereiche inne. Das beginnt bei der Erstellung einer ausführlichen Sicherheitskonzeption mit dem Aufdecken möglicher Schwachstellen, Erarbeitung von Maßnahmen zur Beseitigung dieser Schwachstellen in technischer, personeller und organisatorischer Hinsicht, bis hin zur Darstellung des Restrisikos und dem Umgang mit diesem Risiko.

Der nächste Schritt besteht in der Umsetzung der erstellten Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel das Errichten von Zaunanlagen mit entsprechend gesicherten Zuwegungen. Dazu gehört aber auch die elektronische Überwachung des Perimeterschutzes, einschließlich der Pier-Anlagen, das Errichten von Zutrittskontrollanlagen in die Hallen und Gebäude sowie der Einbruchmelde- und Videoüberwachungsanlagen.

Die Sicherheitstechnik läuft – abhängig von Gefährdungspotential und Komplexität des Betriebes – auf eine eigene und rund um die Uhr besetzte Sicherheitszentrale auf.

 

Bei der Sicherung eines Hafenbetriebs kommt einiges zusammen

Zusätzlich wird die Sicherheitstechnik auf eine rund um die Uhr besetzte und VdS-anerkannte Notruf- und Service-Leitstelle weitergeleitet (Bei rund um die Uhr tätigen Hafenbetrieben jedoch kaum realistisch) oder bei kleinen Hafenbetrieben auf das Abfertigungsgebäude geschaltet und von dort überwacht.

Die zum Einsatz kommenden Sicherheitskräfte haben den Auftrag, keine unberechtigten Personen oder Fahrzeuge auf das Gelände zu lassen. Berechtigte Personen erhalten Dienstausweise (Für Mitarbeiter) oder Besucherausweise, sodass man jederzeit aussagefähig über die Anzahl und Identität der auf dem Gelände anwesenden Personen ist.

Sie sehen – da kommt einiges zusammen.

 

Welchen Umfang nahm Ihr bisher größtes Projekt aus der Hafen- und Seesicherheit ein?

Leider ist aus unterschiedlichen Gründen nur eine unscharfe Antwort auf diese Frage möglich. Denn es kommt darauf an, an welchen Faktoren man es festmacht.

Macht man die Größe an Zaunkilometern fest, so waren es große Schleusenanlagen, die baulich, mechanisch und elektronisch umfassend durch uns abgesichert wurden und sich als Millionenprojekt entpuppt haben.

Macht man es an der Kopfzahl von Sicherheitskräften fest, so war es eine dreistellige Anzahl von Sicherheitskräften, die im Rahmen eines Werftprojektes zum Einsatz kamen. Sowohl als Sicherheitskräfte für die Zutrittskontrolle, als auch Brandwachen, die im vorbeugenden Brandschutz die heißen Arbeiten überwacht haben. Aber auch Feuerwehrkräfte, die ebenfalls rund um die Uhr mit entsprechenden Gerätschaften zur Verfügung standen. Hinzu kam die Besetzung der Leitstelle, um alle Maßnahmen entsprechend koordinieren und dokumentieren zu können.

Ein wirklich großer Einsatz also.

 

Wie eng wird mit den Sicherheitsbehörden, wie der Hafenpolizei zusammengearbeitet?

Wie in allen anderen Sicherheitsbereichen auch, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden im Hafen unerlässlich, wenn ein optimales Ergebnis im Auftrag der Sicherheit erzielt werden soll.

In Hamburg zuständig sind die Wasserschutzpolizei und die HPA (Hamburg Port Authority). Die Sicherheitsbehörden überwachen die Einhaltung der Anforderungen aus dem ISPS-Code, sie führen Informationsveranstaltungen zur Auffrischung durch und bei besonderen Lagen erfolgt ein enger Austausch.

Beispielhaft sei hier die Sicherheitslage während des medial aufbrausenden G20-Gipfels in Hamburg im Sommer 2017 erwähnt. Eine der vielen angekündigten Demonstrationen sollte durch den Hamburger Hafen führen. Dementsprechend hoch waren die Sicherheitsmaßnahmen durch die Polizei und durch private Sicherheitskräfte. Dass dies dann alles ganz anders kommen sollte, war nicht vorhersehbar – ist aber ein ganz anderes Thema.

 

Bei Piraterie denken viele Menschen noch an Filme von früher. Doch leider ist es ein aktuelles Thema. Wie häufig kommt es noch zu Fällen von Piraterie?

Die speziell für dieses fachliche Gebiet zuständige Waffenbehörde sitzt in Hamburg, weshalb mir hierfür gute Informationen zugrunde liegen.

Seit 2013 ist das Sicherheitsgewerbe hinsichtlich von Sicherheitstätigkeiten auf Seeschiffen einem Gesetz mit Einführung eines Zulassungsverfahren und einer Zulassungspflicht unterworfen. Private Sicherheitsunternehmen, die bewaffnete Dienstleistungen mit dem Ziel der Piratenabwehr auf Seeschiffen anbieten möchten, benötigen seit dem 01.12.2013 eine Genehmigung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Die Anforderungen des Gesetzes an die Sicherheitsunternehmen – aber auch die Gehaltsvorstellungen der Sicherheitskräfte - sind inzwischen sehr hoch. So hoch, dass mittlerweile diese Leistungen, nämlich die Begleitung von Seeschiffen durch bewaffnete Sicherheitskräfte, nach meinem Wissen nicht mehr von deutschen Sicherheitsunternehmen  durchgeführt werden (Sollte ich mich täuschen, so gehe ich fest davon aus, dass es sich nur auf ganz wenige deutsche Teams bezieht).

Meines Wissens wird der Markt durch englische und fernöstliche Sicherheitsunternehmen mit preisgünstigen und sehr gut ausgebildeten Sicherheitskräften dominiert.

 

Welche Anforderungen stellen Sie an Sicherheitskräfte für die Hafensicherheit?

power-hafen-und-seesicherheit-autoDie Anforderungen an Sicherheitskräfte im Bereich der Hafensicherheit sind zunächst vergleichbar mit denen von Sicherheitskräften im Objektschutz.

Hinzu kommen in der Regel gute englische Sprachkenntnisse, gern gesehen sind auch Lehrgänge, die zum PFSO befähigen (Hier bietet zum Beispiel die ASWN hervorragende Lehrgänge an). Aber auch nautische Kenntnisse sind nicht von Nachteil, um die Abläufe eines Hafenbetriebs besser verstehen zu können.

Im Bereich des Brandschutzes sind feuerwehrtechnische Grundkenntnisse vonnöten, bis hin zu einer breiten Folgeausbildung, mindestens der freiwilligen Feuerwehr. Eine gewisse Robustheit ist für eine erfolgreiche Durchführung der Tätigkeit von großem Vorteil.

Der Ton kann schon einmal rau sein und das Wetter ist gerade für Tätigkeiten im Freien auch nicht immer ideal. Die Tätigkeit besteht eben nicht nur aus einem lockeren Kontrollgang auf dem Sonnendeck einer fast fertiggestellten Luxusyacht. Aber interessant und vielfältig ist es allemal.

Ein Einsatz in der Hafensicherheit setzt zusätzliche nautische Kenntnisse voraus

 Vielen Dank für das Interview!

 

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© Bild Teaser: istock/ Jan-Otto
© Restliche Bilder: POWER PERSONEN-OBJEKT-WERKSCHUTZ GmbH

 

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