111 Tätigkeiten: Hundeführer Schutzhunde

2018-06-20 02:40 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

111-taetigkeiten-schutzhunde-koehler-nero-in-interview-mit-secmarketTreue Begleiter – nicht nur privat. Denn auch im Job leisten Hunde so einiges. Im Security-Bereich sind auch sie wichtige Sicherheitsmitarbeiter und leisten Höchstarbeit für die Sicherheit der Menschen.

Wie spannend es ist, Hunde zu führen und auszubilden – davon können Sie sich in unserem Interview mit Matthias Köhler von der DWSS GmbH ein Bild machen. Als Geschäftsführer hat er sein Unternehmen von Beginn an stark vergrößert und seinen Fokus auch auf die Ausbildung der Tiere gelegt.

 

Herr Köhler, würden Sie zunächst Ihr Unternehmen vorstellen und dabei explizit auf den Bereich der Schutzhunde eingehen?

Über 25 Jahre ist es nun her, dass die Deutscher Wach- und Schutzhund Service GmbH (DWSS GmbH) durch mich gegründet wurde. Die Anfänge fanden noch auf dem damaligen Privatgrundstück statt, inzwischen sind wir stark gewachsen. Für unser Ausbildungs-Areal von Sicherheitspersonal und Diensthundeführern sowie Hundeausbildung und Pension stehen insgesamt 55.000 m² zur Verfügung. Unsere Diensthundezwingeranlage mit 105 Zwingern, den Bürogebäuden sowie Ausbildungsplätzen, befindet sich auf einem Areal von 10.000 m².

Neben unseren Sicherheitsdienstleistungen durch das Sicherheitspersonal, die Diensthundeführer mit Diensthund sowie Wachhunden, gehört seit 17 Jahren auch der Bereich Ausbildung und Einsatz von Sprengstoffspürhunden und entsprechenden Hundeführern zu unserem Portfolio.

Wie soeben erwähnt, bilden Sie in Ihrem Unternehmen Suchhunde, Wachschutzhunde, Sprengstoffspürhunde und Diensthundeführer aus. Bitte beschreiben Sie uns kurz die unterschiedlichen Bereiche inhaltlich.

Suchhunde

Suchhunde sind Makrosmatiker, also Nasenarbeiter. Ihnen wird beigebracht bestimmte Stoffe zu suchen und zu finden, rein über das Spiel. In allen anderen Hundeausbildungsbereichen wird mehr mit Druck gearbeitet. Im Suchbereich agiert der Hund aber auf freiwilliger Basis, weshalb man ihn nur durch das Spiel motivieren kann. Häufig werden Rassen wie Malinois (Mechelaar), Herder und der Schäferhund als Suchhunde eingesetzt.

Objekt- oder Wachhund

Der Objekt- und Wachhund unterscheidet sich zum Suchhund darin, dass er selbständig arbeiten muss. Er ist ohne Hundeführer in Objekten untergebracht und muss selbständig zwischen „Gut und Böse“ unterscheiden und so ein widerrechtliches Eindringen verhindern. Hier kommen nur Herdenschutzhunde (z. B. Kangal, Šarplaninac, Kaukase) zum Einsatz, die vollkommen ohne Hundeführer arbeiten – so wie es eben auch beim Schutz einer Herde der Fall wäre.

Diensthund

Der Diensthund wird komplett unter Berücksichtigung der Hundeverordnung ausgebildet und hat sofort dem Kommando seines Hundeführers zu folgen. Hinzukommt, dass er trainiert wird, mit einem Maulkorb zu arbeiten. Der Hund muss auf Kommando Befehlen zum Eigenschutz folgen können – dies gilt bei Notwehr, Notstand und Nothilfe des Hundeführers.

Der Diensthund muss also geführt werden wie eine scharfe Waffe. Bei der Polizei ist er Hilfsmittel gegen körperliche Gewalt. Wir bilden unsere Hunde für den Sicherheitsdienst allerdings nicht so aus. Im Fokus stehen eine vernünftige Beißkorbarbeit und ein Umstoßen des Täters.

Viel wichtiger noch ist die entsprechende Ausbildung des jeweiligen Hundeführers. Hier gibt es unterschiedliche Varianten und wie auch im generellen Sicherheitsdienst verschiedene Meinungen dazu, was ausreichend ist.  Es gibt einen Hundeführerlehrgang, der den Hundeführer berechtigt auf nicht-öffentlichen Bereichen seinen Hund zu führen, insofern die Aktion des Hundes in der Hand des zugehörigen Hundeführers liegt und der Hund keine gesteigerte Aggression zeigt. (UVV Berufsgenossenschaft BGV C7 - Ausbildung zum geprüften Diensthundeführer im Bewachungsgewerbe mit erforderlicher Eignungsbescheinigung gem. BGV C7).

Es gibt aber auch tiefergehende Formen der Ausbildung – zum Diensthundeführer nach IHK-Prüfung. Diese dauert in etwa ein Viertel Jahr inkl. theoretischer und praktischer Prüfung und ist angelehnt an die Diensthundeprüfungsordnung der Bundeswehr. Es liegt demnach ein großer Unterschied in der Qualifikationsstufe beider Ausbildungs-Varianten. Um das zu verdeutlichen - Ein vergleichendes Beispiel ist der Unterschied bezüglich des Erwerbs von PKW- oder LKW-Führerschein.

Leider wurde diese wichtige Thematik bei Tarifverhandlungen bisher nie richtig berücksichtigt, was meiner Meinung nach ein großes Problem im Sicherheitsdienst darstellt. Aktuell wird vordergründig auf Herkunft und Papiere Wert gelegt, anstatt auf die Ausbildung des Menschen dahinter. Was aber viel wichtiger ist, ebenso wie die Leistungen und Verhaltensmerkmale des Tieres. Der Fokus ist also ein Falscher. Im Übrigen eignen sich alle Gebrauch- und Diensthunderassen für den Diensthund-Bereich.

Die Ausbildung zum Schutzhund geriet in der Vergangenheit zum Teil in Verruf. Gerade der sogenannte „Überziehärmel“ wurde bezüglich einer Abschaffung von Hundeexperten heiß diskutiert. Wird dieser Überziehärmel nur im Sportbereich eingesetzt oder auch im beruflichen Training und wie stehen Sie zu dieser Auseinandersetzung?

Letztendlich ist der Schutzdienst für den Hund eine Gehorsamsübung in der höchsten Erregungsform des Tieres. Jeder Hund kann beißen, aber es kann böse werden, wenn er nicht gelernt hat es zu unterlassen. Deshalb ist die Ausbildung so elementar! Selbst bei einem berechtigten Angriff muss der Hund trotz der starken Erregung Gehorsam zeigen.

So verhält es sich im Beruf, als auch im Hundesport. Zwar auf eine andere Art und Weise, das Grundprinzip ist aber in beiden Bereichen das Gleiche. Dieser wichtige Gehorsamsakt des Unterlassens ist nur in der Diensthundeausbildung der IHK Gegenstand. In öffentlichen Bereichen, wie Stadien, sollten lediglich Hunde und Hundeführer mit einer Ausbildung derart zum Einsatz kommen. So kann man Vorfälle vermeiden, die zu negativer Berichterstattung und einem falschen Bild führen.

Wie viele Hunde sind für Ihr Unternehmen im Einsatz? Leben die Schutzhunde ausschließlich bei Privatpersonen?

In der Regel sind bei uns 60 bis 70 Hunde im Einsatz. Diese sind dann auch dauerhaft ausgelastet. Alle Diensthunde leben privat bei den Hundeführern zu Hause, lediglich die Wachhunde sind in der jeweils eingesetzten Anlage untergebracht. Eine Ausnahme allerdings ist beispielsweise Krankheit des Hundeführers, dann kommt auch der Diensthund in unserer Anlage unter.

Wie testen Sie die Eignung der Hunde?

Zunächst einmal: Welpen bilden wir prinzipiell nie aus. Ein Diensthund muss mind. 18 Monate alt sein, bevor er zum Einsatz kommt. Vorher ist eine Entwicklungsrichtung nicht abschätzbar. Deshalb beginnen wir selbst erst mit Anderthalb- bis Zweijährigen. An die Hunde kommen wir durch unseren Partner, die Hundeschule Wolf in Jessen. Er kauft unsere Hunde an und vermittelt sie. Einen großen Teil erhalten wir also daher, aber im Bedarf auch von Privatpersonen. Dann allerdings nur, wenn die Hunde bereits Kenntnisse besitzen, die nur verfeinert werden müssen oder aber sie die passenden Charaktereigenschaften aufweisen.

Damit sind vordergründig ein hoher Spieltrieb und keine vorhandene gesteigerte Aggression gemeint. Zusätzlich achten wir auf die Umweltsicherheit, also ob der Hund sich in der Stadt, beim Bahnfahren und in Menschenmassen locker und neutral verhält. Auch wenn der Hund einwandfrei auf dem freien Feld arbeiten kann, heißt das noch nicht, dass dies auch in der Stadt der Fall ist. Auch die Gesundheit spielt selbstverständlich eine große Rolle. Das Tier darf keine Vorbelastungen aufweisen und muss geröntgt sein.

Welcher Kundenkreis nimmt die Dienstleistung mit Schutzhunden am stärksten in Anspruch?

Der Kundenkreis ist groß und unterscheidet sich stark. Vom Bauunternehmer bis hin zu Stars wie Madonna ist von unten nach oben alles dabei. Sogar Obama haben wir auf dem G7-Gipfel schon bewacht. Ein weiterer Meilenstein war die Bewachung des Papstes.  

Wie viele Sicherheitsmitarbeiter sind bei Ihnen als Schutzhund-Begleiter im Einsatz?

Im gesamten Unternehmen kommen wir auf rund 80 Mitarbeiter. Außerdem betreuen wir eine Tierpension sowie einen Webshop für Tiernahrung.

Welche Trainingsverfahren müssen die Schutzhund-Begleiter bei Ihnen absolvieren?

Ausgebildete Diensthundeführer sind verpflichtet regelmäßig zu trainieren und jährlich im Unternehmen nachzuweisen, dass die Fähigkeiten nicht verlernt wurden. Das Unternehmen muss natürlich ebenso hinterher sein, dies zu überprüfen. Diese Prüfungen sind bei uns Kerngebiet, immerhin haben wir bereits über 25 Jahre Erfahrung sammeln dürfen.

Sind diese Mitarbeiter in der Regel festangestellt oder pauschal für Sie tätig?

Bei uns gibt es nur Festanstellungen. Dies ist sowohl mit oder zunächst ohne Ausbildung möglich. Vor der Anstellung oder berufsbegleitend ist das Nachholen der Ausbildung dann möglich. Zum Test laden wir nach dem Gespräch immer zum Schnupperkurs ein. Der Interessent bekommt dann einen Hund in Begleitung des Hundeführers an die Leine. Am wichtigsten ist uns immer, dass der Interessent mit Herz bei der Sache ist, auch wenn er zuvor keine Erfahrung aufweisen kann. Die Leidenschaft und das Talent entnehmen wir der Körpersprache, wir sehen Emotionen wie Angst und Liebe zum Tier sofort.

Im Vergleich zu Ihrem weiteren Dienstleistungsrepertoire: Wie gefragt ist der Beruf?

Es gibt sogar mehr Aufträge als Bewerbungen! Das zeigt, wie gefragt der Beruf auf Auftragsseite ist. Wir erhalten auch noch zahlreiche Bewerbungen, allerdings variiert die Qualität der Bewerber sehr stark.

Was war Ihr bisher spannendster Mensch-und-Tier-Einsatz?

Jeder Fall für sich ist erneut eine Herausforderung. So viele Aufträge, von Groß bis Klein, durften wir schon betreuen und alles ist anders. Vom Box-Event über die Bewachung des Main Towers und Eröffnungen von Autobahnen, dieser Beruf ist so spannend. Der für mich schönste Moment war aber die Inbetriebnahme meiner Zwingeranlage. 55.000 Quadratmeter stehen uns hier zur Verfügung. Von Jahr zu Jahr wird die Anlage schöner, sie wächst und gedeiht. Ein weiterer privater toller Moment war, als mein Sohn in das Unternehmen eingestiegen ist. So weiß ich meine Firma in guten Händen.

Was wünschen Sie sich von Bewerbern?

Ich wünsche mir von Interessierten, dass sie sich mehr mit dem Job identifizieren. Wir wollen Bewerber sehen, die zu uns kommen, weil sie auch gern mit dem Hund arbeiten möchten. Dass diese Leidenschaft im Fokus steht, das ist uns am wichtigsten.

Vielen Dank für das Interview.

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© Bild Hund: istock.com/SensorSpot

 

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