Als Powerfrau zur Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres

2019-07-26 10:50 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Fast zwei Monate ist es nun her, dass Powerfrau Kim-Jacqueline Anhäuser zur Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres gekürt wurde – Als erste Frau der Sicherheitsbranche. Zeit, sie zu ihrer Auszeichnung, ihrer Tätigkeit als Begleitschutz sowie Türsteherin und zum Job in einer Männerwelt zu befragen. In der Sicherheit ist sie nebenbei bei hauptsächlich bei der Tribus Security GbR tätig, hauptberuflich übernimmt sie die Leitung einer Gemeindepsychiatrie. Eine Powerfrau eben.

 

powerfrau-und-sicherheitsmitarbeiterin-des-jahres-kim-jacqueline-anhaeuser-im-portätFrau Anhäuser, erzählen Sie uns doch zunächst, was Ihre Einsatzbereiche als Sicherheitsmitarbeiterin sind.

Gern. Im Sicherheitsbereich bin ich zu 60 Prozent als Türsteherin eingesetzt. Die restlichen 40 Prozent verteilen sich auf den Veranstaltungs- und Begleitschutz. In den Hauptmonaten von Juni bis August bin ich dann zu 20 Prozent als Einsatzleiterin für Großveranstaltungen sowie zu 20 Prozent als Begleitschutz für Personen tätig.

 

Was steckt hinter dem Einsatzbereich Begleitschutz?

Es gehört einiges dazu. Es dreht sich ja nicht nur um den Einsatz an sich, dazu gehört auch die Abstimmung mit dem Auftraggeber, es gilt zu besprechen wo der Fokus liegen soll, worum es ganz konkret geht, bis hin zum Sicherheitskonzept. Neben den Absprachen gehört auch das Kennenlernen der Person dazu, es wird der Einsatz der Sicherheitstechnik besprochen. Spezielle Personengruppen brauchen zum Beispiel verschärfte Schutzmaßnahmen, so gab es für Angela Merkel auf der Gamescon 2017 auch erweiterte Sicherheitsvorkehrungen.

 

Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres Kim-Jacqueline Anhäuser

 

Sind Sie als Sicherheitsmitarbeiterin und Powerfrau auch international tätig?

Ich sage mal so – ich bin grundlegend international tätig, aber auf deutschem Boden. Ich spreche fünf Sprachen und habe beispielswiese oft holländische oder amerikanische Kunden auf Festivals oder der Gamescon begleitet und betreut. Aber richtig international eingesetzt werde ich nicht, dafür fehlt mir die Zeit.

 

Das klingt nach außergewöhnlichen Erfahrungen, die Sie als Sicherheitsmitarbeiterin schon gemacht haben, wie sah denn Ihr aufregendster Einsatz aus?

Das ist wirklich ganz schwierig zu beantworten, da ich schon so viel in meinen Einsätzen erlebt habe. Jeder Einsatz ist aufregend – eben nur auf verschiedene Art und Weise. Man erlebt positive wie auch negative aufregende Momente.

Sehr schön ist es natürlich, wenn man Musiker oder andere Prominente betreut, die man persönlich auch privat gut findet. Da ist man schon was aufgeregter. Das merkt man mir im Dienst natürlich nicht an, da bewahre ich absolute Professionalität.

Nicht so schöne aufregende Momente waren jene, in denen ich Ersthilfe bei kollabierten und teils bewusstlosen Festivalbesuchern leisten musste unter denen es auch schon einen Fall gab, der es nicht mehr geschafft hat wiederbelebt zu werden.

Generell ist die Branche also sehr aufregend, weil wirklich immer etwas anderes passiert. Kein Einsatz gleicht dem anderen.

 

Wann gilt ein Einsatz für Sie als Sicherheitsmitarbeiterin im Begleitschutz als beendet?

Es kommt darauf an, wie der Auftrag lautet. Es gibt z. B. Einsätze, da müssen Politiker auf einer Messe den ganzen Weg vom Stand bis zum Hotel begleitet werden. Entweder der Manager oder die Person selbst legen meist genau fest, wann der Einsatz vorbei ist und es gibt ein eindeutiges Zeichen, auf das wir warten.

Oft gibt es Störfaktoren, die eine Einsatzzeit auch verlängern können. Autogrammstunden sind ein sehr gutes Beispiel, es kann schon das ein oder andere Mal vorkommen, dass die Stars einfach so einen guten Moment mit ihren Fans haben, dass es sich hinauszögert. Auch das Gegenteil ist möglich, wenn die Personen abbrechen, weil sie sich gestört fühlen oder aus sämtlichen anderen Gründen.

 

Als Powerfrau haben Sie es schnell bis hin zur Einsatzleitung geschafft. Wie lange genau haben Sie gebraucht, um neben Sicherheitsmitarbeiterin auch Einsatzleiterin zu werden und was mussten Sie dafür tun?

Vor 14 Jahren ca. habe ich während meines Studiums begonnen im Nachtleben zu arbeiten. Vorerst im gastronomischen Bereich. Jedoch hat mich die Tätigkeit im Sicherheitsdienst schon immer fasziniert und es ergab sich die Möglichkeit, dass die damalige Diskothek in der ich gearbeitet habe eine Frau für die Tür gesucht und mir die Sachkundeprüfung finanziert hat.

Seit diesem Zeitpunkt habe ich fest begonnen an den Wochenenden und in den Semesterferien im Sicherheitsdienst zu arbeiten. Der Chef des Sicherheitsdienstunternehmens für das ich dann ein Jahr später begonnen habe zu arbeiten schaute mich erstmal verwundert an als ich ihm mitteilte, dass ich gerne an die Tür möchte und auch im Einsatztrupp oder der Streife eingesetzt werden möchte. Ich glaube, er hat mich zu Beginn nicht ganz ernst genommen. Ich habe ihm aber über viele Einsätze hin bewiesen, dass ich dazu in der Lage bin und auch die positive Rückmeldung vieler Kunden und Auftraggeber bestätigten das. Relativ schnell übernahm ich an verschiedenen Veranstaltungen mehr Verantwortung für bestimmte Bereiche oder auch ein Team von Mitarbeitern.

Mit einer Kombination aus Fachwissen, gepaart mit Kommunikationsstärke und der Fähigkeit zu motivieren sowie zu improvisieren, ist man als Einsatzleitung gern gesehen. Ich muss gestehen, dass diese persönlichen Eigenschaften noch viel wichtiger sind als die reine Theorie. Aber über die rechtlichen Grundlagen sollte jeder natürlich trotzdem zwingend verfügen.

 

Vermissen Sie manchmal den direkten Einsatz als Sicherheitsmitarbeiterin, wenn Sie in der Leitung eingesetzt werden?

Bei der Frage muss ich grinsen, weil dieses Thema gerade so aktuell ist. Ich vermisse genau deshalb nichts, weil ich trotz Einsatzleitung jemand bin, der sehr präsent ist. Ich versuche so viel wie möglich auf dem Gelände oder dem Einsatzort zu sein als auch bei den Kollegen und Kolleginnen an den verschiedenen Positionen. Es ist mir wichtig einen Überblick und ein Gefühl für die Veranstaltung zu haben.

Und genau so wichtig ist es mir, dass das Team merkt, dass ich präsent bin und mich gegebenenfalls um deren Belange kümmere. Ich bin mir nicht zu schade, auch mal jemanden auf Position abzulösen, wenn ich es gewährleisten kann und nicht anderweitig gebraucht werde. Ich glaube das wird sehr geschätzt und viele arbeiten gerne mit mir als Einsatzleitung zusammen. Ich suche auch immer wieder den direkten Kundenkontakt um mich zu versgewissern, dass der Einsatz nach Wunsch abläuft und es keine Missstände oder Bemängelungen gibt. 

 

Wenn wir einmal beim Schätzen sind: Wie fühlt es sich an Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres zu sein?

Es ist weniger der Titel der sich gut anfühlt. Vielmehr sind es die vielen tollen Reaktionen und das Feedback was ich bekommen habe. Ich war sehr gerührt und stolz über die Beiträge und Empfehlungen von so vielen tollen Menschen mit denen ich bisher gearbeitet habe oder immer noch zusammenarbeite.

 

Und wie war die Reaktion der Kollegen aus der Sicherheit zu Ihrer Auszeichnung als Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres?

Die war durchweg positiv, alle haben es mir gegönnt und mich bestärkt, mir gesagt wie sehr ich das verdient habe. Mir haben mehr Leute zu dem Titel gratuliert als zu meinem Geburtstag.

 

Wurden Sie zur Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres angemeldet oder haben Sie sich selbst beworben?

Das war ja das Witzige daran, ich habe die Ausschreibung gesehen, und gedacht wie toll ich diese Aktion finde und wie sehr die Sicherheitsbranche das mal braucht. Weil ich das unterstützen wollte, habe ich mich einfach gleich beworben und ein wenig Werbung in den sozialen Medien gemacht. Was das Ganze dann für einen Lauf genommen hat hätte ich niemals erwartet und ich muss zugeben ich war sehr überwältigt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Coredinate irgendwann mal aufgehört hat die Empfehlungen zu zählen.

powerfrau-und-sicherheitsmitarbeiterin-des-jahres-kim-jacqueline-anhaeuser-zwischen-kKlaus Bouillon - Präsident des BVMS, Sicherheitsmitarbeiterin Kim-Jacqueline Anhäuser
und Michael Kulig - Geschäftsführer der Coredinate GmbH bei der Preisverleihung in München

 

Hat sich durch den Titel zur Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres schon etwas verändert?

Hätte es sich bestimmt, wenn ich hauptberuflich in dieser Branche arbeiten würde und selbständig wäre. Es gab etliche Anfragen von Unternehmen oder auch privaten Auftraggebern, die gerne mit mir arbeiten möchten. Generell war es vor dieser Aufzeichnung schon oft so, dass ich viele Jobs absagen musste, weil ich es einfach zeitlich nicht schaffe und meine festen Einsatzorte und Veranstaltungen im Jahr habe, die ich schon seit vielen Jahren betreue und wo ich gerne mit den Auftraggebern zusammenarbeite.

Die Auszeichnung ist allerdings eine sehr gute Plattform, das eigene Netzwerk ist definitiv gewachsen. Ich habe dadurch viele tolle Menschen kennenlernen und interessante Gespräche führen dürfen. Für mich persönlich also eine sehr schöne Erfahrung.

 

Uns interessiert auch Ihr Haupteinsatzbereich als Sicherheitsmitarbeiterin. Wie oft sind Sie als Diskotheken-Türsteherin tätig?

In der Nebensaison eigentlich jedes Wochenende. Inzwischen versuche ich jedoch nur noch an einem Tag am Wochenende an der Tür zu stehen, das klappt aber nicht immer. Als ich in der Sicherheit angefangen habe, war ich fast jeden Freitag und Samstag an der Tür und manchmal auch schon donnerstags. Jedoch beansprucht mich meine leitende Tätigkeit im Hauptjob unter der Woche doch schon sehr und man hat auch noch ein Privatleben und möchte Freizeit mit seiner Familie verbringen. Und man wird natürlich auch nicht jünger. Ich merke das mittlerweile schon, wenn ich ein ganzes Wochenende im Dienst war.

 

Wie oft kommt es zu handgreiflichen Vorfällen an der Tür und wie gehen Sie als Powerfrau damit um?

Meine Erfahrung ist, dass man schon am Einlass gezielt potentielle Besucher und Besucherinnen aussortieren kann die ein gewissen Gewaltpotential mitbringen. Nichtsdestotrotz kommt es immer wieder zu Unruhen unter den Gästen. Hat man jedoch einen gewissen Blick und ein Gefühl für solche Unruhen kann man viele Situationen, bevor es eskaliert, vorab kommunikativ klären, deeskalieren und im besten Fall ohne Gewalt auflösen.

Dies ist meine persönliche Erfahrung aus vielen Jahren Arbeit in verschieden Läden.  Deshalb muss ich sagen, dass es tatsächlich eher selten zu handgreiflichen Vorfällen kommt. Wenn es aber einmal dazu kommt, dann leider mit hoher Aggression. Inzwischen gibt es keine einfache „Backpfeife“ mehr, es wird eher gezielt verletzt.

Alles in allem erlebe ich prozentual eher weniger handgreifliche Vorfälle, die Brutalität, wenn etwas vorkommt ist aber definitiv gestiegen. Deshalb sind die sehr guten Kommunikationsfähigkeiten im Vorfeld umso wichtiger.

 

Ihre Erfahrung: Haben es Frauen, auch eine Sicherheitsmitarbeiterin des Jahres, manchmal schwer in der Branche?

Aus meiner Sicht gibt es absolut keine Probleme. Ja, es ist eine Männerbranche, aber ich habe es selten erlebt, dass man mir nicht mit Respekt begegnet ist. Ein Stück weit liegt das sicherlich auch an meiner Persönlichkeit, ich bin ein sehr authentischer Mensch und begegne generell jedem erstmal mit Respekt.

In der Branche werde ich auf jeden Fall sehr gut aufgenommen und hatte es nie wirklich schwer. Das habe ich mir aber auch durch professionelle Arbeit und Leistung erworben. „Hunger, Pipi, kalt“ gibt es bei mir nicht. Ich leite oft große Teams, prozentual fast nur mit Männern besetzt, und selten kommt einer von ihnen nicht damit zurecht, dass ich eine Frau bin.

Ich weiß aber, dass es Frauen gibt, die ihre Rolle in der Branche nicht finden, weil sie immer wieder anecken. Ich bin aber davon überzeugt, dass Arbeitsleistung, Einsatzbereitschaft und Offenheit immer anerkannt werden – egal ob Mann oder Frau.

 

Aber wie verhält es sich an der Tür – Werden Sie dort als Sicherheitsmitarbeiterin manchmal von den Gästen nicht ernst genommen?

Im Gegenteil – die Gäste sind eher daran interessiert und fragen mich oft, wie es als einzige Frau an der Tür so ist und dass sie es gut finden. Wie schon an anderer Stelle erwähnt begegne ich erstmal jedem Gast mit Respekt und Freundlichkeit und meistens wird das auch von meinem Gegenüber erwidert. Wenn dem mal nicht so ist oder einer meint mich nicht ernst zu nehmen kann ich auch sehr autoritär und bestimmend sein. Viele Gäste haben Respekt und Anerkennung davor, dass ich genauso wie meine Kollegen auch im Laden bin und wenn nötig pöbelnde oder randalierende Gäste rausbegleite und nicht nur an der Tür den Einlass regle.

Ich liebe meinen Job, egal ob als Türsteherin, Einsatzleitung von Großevents, als Begleitschutz oder bei anderen Tätigkeiten. Auch wenn er oft sehr anstrengend ist und ich mich hin und wieder über viele Dinge, die in dieser Branche nicht gut laufen, mehr als einmal aufrege.

Jeder, der mich kennt und auch schon mit mir gearbeitet hat, weiß wie sehr ich darin aufgehe und wie wichtig es mir ist gute Arbeit zu leisten. Das beinhaltet für mich nicht nur, dass der Kunde und die Gäste zufrieden sind, sondern auch das Team mit dem ich arbeite.

 

EXTRA: Die Gegenwart des Crowd Management

 

© Bilder: Kim-Jacqueline Anhäuser / Coredinate

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