Das Bewacherregister kommt – 2018 bringt der Branche ein Novum

2018-06-05 02:36 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Das Jahr 2018 ist zur Hälfte um, bringt aber noch weitreichende Veränderungen für die Sicherheitsbranche mit sich. Auf was müssen Sicherheitsunternehmen sich einstellen?

bewacherregister-bringt-sicherheitsbranche-novum-anfang-2019-soll-das-neue-bewacherregister-fuer-die-sicherheitsbranche-eingerichtet-werden-1Anfang 2019 soll das neue Bewacherregister für die Sicherheitsbranche eingerichtet werden.

Das Jahr 2018 ist zur Hälfte um, bringt aber noch weitreichende Veränderungen für die Sicherheitsbranche mit sich. Trotz eines Rückgangs der Auftragslage steht es wirtschaftlich gesehen um die Security-Branche sehr gut. Spezialgesetz und Bewacherregister waren in der Branche lange Thema – was aber wird sich jetzt ändern? Auf was müssen sich Sicherheitsunternehmen einstellen?

Die Qualifizierungen stehen im Fokus. Seit vielen Jahren setzen sich der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) und zahlreiche Mitglieder stark für ein Spezialgesetz ein. Zu viele schwarze Schafe ohne ausreichende Zertifizierungen sind der Grund. Sie wirken sich negativ auf den Wettbewerb und das Image aus. Die Mitarbeitersuche wird erschwert und die vielen Aufträge sind teilweise nur schwer zu stemmen.

Rückblick: Auftragslage der letzten Jahre

In den letzten Jahren war die Sicherheitsbranche hinsichtlich der Auftrags- und Geschäftszahlen sehr gut aufgestellt. Auch in den Medien waren der steigende Bedarf an Sicherheit und Mitarbeitern sowie kletternde Zahlen immer wieder Thema: „Sicherheitsbranche rechnet mit mehr Aufträgen“, „Sicherheitsbranche sucht tausende neue Mitarbeiter“, „Nachfrage nach Sicherheitsdienten steigt“ sind Beispiele solcher Schlagzeilen.

Das spiegeln auch die statistischen Zahlen wider, die im Mai vom BDSW veröffentlicht wurden. Bis 2017 verzeichneten Sicherheitsunternehmen demnach Rekordgewinne. Rund 40 % Umsatzsteigerung konnten 2015 und 2016 erzielt werden. Der Grund: die Flüchtlingssituation, terroristische Ereignisse und schärfere Sicherheitsmaßnahmen ließen den Bedarf nach Sicherheitsdienstleistungen wachsen.

Im vergangenen Jahr gab es nun den ersten Umsatzrückgang (-3,8 %). Laut dem BDSW tat das der Mitarbeitersuche allerdings keinen Abbruch, unglaubliche 78 % der Unternehmen haben noch immer Probleme bei der Stellensuche. Die Sicherheitsbranche ist somit am stärksten vom Arbeitskräftemangel betroffen (83 %).

Dr. Berthold Stoppelkamp, Leiter des Hauptstadtbüros des BDSW, ergänzt: „Es ist zu prognostizieren, dass der Gesamtumsatz der Sicherheitsbranche bedingt durch das Ende des  ‚Sonderkonjunktureffekts‘ Schutz von Flüchtlingsunterkünften nochmals leicht zurückgehen wird. Andererseits bleibt die Nachfrage nach personalintensiven Sicherheitsdienstleistungen nach wie vor auf hohem Niveau.“

Sicherheitsdienstleistungen ja – Aber bitte mit Qualität

So positiv der Medienspiegel über den Umsatz berichtete, so negativ fielen die Berichte über das Image aus. Ohne gesetzliche Regelungen machen schwarze Schafe und Scheinselbständige sich auf dem Markt breit. Mit ihren Dumpingpreisen kommt es zum Preisverfall anderer Sicherheitsunternehmen, gepaart mit Personalmangel führt das bis hin zu Existenzbedrohungen.

Letztendlich hat die Entscheidung für unzureichend zertifizierte Billiganbieter einen elementaren Einfluss auf die Qualität der Dienstleistung und das Image der gesamten Branche. Genug – finden der BDSW und seine Mitglieder. Schon lang macht sich der Verband für ein Spezialgesetz laut. Dieses wird aktuell in der Politik diskutiert. Mit einem Bewacherregister wird nun ein weiterer wichtiger Schritt gemacht.

Das Bewacherregister kommt

Ende Mai dieses Jahres hat die Bundesregierung ein Nachsehen und beschließt erstmals ein Bewacherregister für den privaten Sicherheitsdienst. Dieses Bewacherregister soll zum Jahresende umgesetzt und zum 1. Januar 2019 offiziell eingerichtet werden.

Beim Bewacherregister handelt es sich um eine elektronische Lösung zur Verwaltung und zum Aufrufen von Daten zu Gewerbetreibenden im Bewachungssektor und deren Wachpersonal. Zweck dieser Datenerfassung ist die bundesweite Verfügbarkeit aktueller Informationen für den bewachungsrechtlichen Vollzug, z. B. bei Vor-Ort-Kontrollen. Die Herausforderung ist momentan die Erstbefüllung des Bewacherrregisters durch die § 34 a GewO-Behörden. Der BDSW setzt große Hoffnungen in dieses geplante Bewacherregister, auch bezüglich der notwendigen Digitalisierung.

Stoppelkamp verspricht sich neben der Beschleunigung von Verwaltungsprozessen im Bewachungsrecht aber auch eine deutliche Verbesserung von Qualität und Image: „Ich sehe eine Chance, die große Zahl von Fälschungen bezüglich IHK-Unterrichtungs- bzw. Sachkundenachweisen durch bspw. das Bewacherregister einzudämmen. Hierdurch kann das Vertrauen in die Sicherheitswirtschaft erheblich gesteigert werden.

Was steht 2018 noch im Fokus?

Im Hauptfokus der Interessenvertretung beim BDSW in Berlin steht die Mitgestaltung hinsichtlich der Regelungen um das Bewacherregister. Die Unternehmen sollen nicht noch mehr mit bürokratischen Vorgängen belastet werden.

„Darüber hinaus wird sich der BDSW aktiv in die Gestaltung des im Koalitionsvertrag angekündigten eigenständigen Sicherheitsgesetzes einbringen. Auch wird es darum gehen, die gewachsene Bedeutung der Sicherheitswirtschaft immer wieder zu verdeutlichen und die Qualitätsstandards der Branche weiter zu erhöhen. Hierbei wird die DIN 77200-1 eine wichtige Rolle spielen“, so Stoppelkamp.

Erforderlich seien außerdem spezialgesetzliche Regelungen für die Zusammenarbeit von Polizei und privatem Sicherheitsdienst, wie es häufig auf Großveranstaltungen und zum Schutz von Flüchtlingsunterkünften sowie im öffentlichen Personennahverkehr der Fall ist. Explizit gemeint sind hier Anforderungen an die Leistungsfähigkeit, Organisation, Qualifizierung und Ausstattung. In immerhin zehn Bundesländern gibt es bereits Kooperationsvereinbarungen mit Landespolizeibehörden.

Weiteres Ziel bleibt auch die Vereinbarung von tariflichen Mindestlöhnen oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns inklusive Allgemeinverbindlichkeit. Insgesamt hat der Verband bereits 70 Tarifverträge mit über 450 Lohngruppen vereinbart.

 

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