Der Schutz von Expats – Was wir für Business-Reisen lernen können

2019-09-19 03:07 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 2)

Tom Ziemski hat sich dem Schutz von Expats und deren Familien gewidmet. Ein außergewöhnlicher Job in der Welt des Personenschutzes. Erfahren Sie, was wir für deutsche Business-Reisen von ihm lernen können.

Wie die Sicherheit von Expats zur Lebensmission wurde

tom-ziemski-experte-fuer-sicherheit-business-reisen-und-schutz-expats-teaserExpats – das sind Personen, die, meist für ein Unternehmen, im Ausland tätig werden und dort auch leben. Bevor Tom Ziemski sich auf den Schutz solcher Expats und deren Familien spezialisierte, war er lang als Personenschützer in Südafrika tätig. Ihn reizte die Arbeit mit Expats deshalb, weil die Herangehensweise eine ganz andere ist. Denn die Expats werden zu Sicherheitsexperten gemacht, die Sicherheit wird nicht einfach an den Personenschützer übertragen.

„Das bedingt eine ganz andere Herangehensweise als z. B. bei Personenschutzaufträgen. Dort gibt die Schutzperson die Verantwortung für seine Sicherheit an die Personenschützer ab – bei den Expats bleibt sie bei den Expats“, so Ziemski zur Tätigkeit.

Tom Ziemski - Experte für en Schutz von Expats und Business Reisen

Das macht die Arbeit unglaublich spannend und abwechslungsreich, denn jeder Expat nimmt diese Aufgabe anders an. Ziemski erzählt uns im Gespräch: „Vom liebeskranken Teenager der eine komplette Evakuierung lahmlegte bis hin zu Hundewelpen die bei Carjacking (Entwendung eines Fahrzeuges unter Androhung von Gewalt im Beisein des Besitzers) eingesetzt wurden war viel dabei. Es wird nie langweilig, es gibt die unglaublichsten Geschichten“.

 

Mehr Sicherheit auf Business-Reisen – Was man aus der Arbeit mit Expats lernen kann

Der Experte im Schutz von Expats gibt eine grundlegende Überlegung auf den Weg, die besonders für mehr Sicherheit auf Business Reisen eine Rolle spielt: Wir sind es gewohnt, dass unsere Sicherheit hier in Deutschland von außen gewährleistet wird –  Staat, Polizei, Gesetzte. Das heißt kaum ein Deutscher hat sich jemals mit seiner persönlichen Sicherheit beschäftigt, wie Expats es tun müssen“. Aus der Arbeit mit Expats können wir also einiges lernen.

Und hier liege laut des Experten der große Unterschied zu anderen Ländern, besonders auf dem afrikanischen Kontinent – Kein afrikanisches Land sei in der Lage auch nur annähernd diese gleiche Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten, auch nicht für Business Reisen. Würden die Deutschen demnach eine annährend ähnliche Sicherheit in afrikanischen Ländern haben wollen, wie sie es aus Deutschland gewöhnt sind, so seien sie selbst in der Verantwortung. „Wir müssen die Verantwortung für unsere Sicherheit selbst übernehmen, so wie die Expats es tun müssen“, so Ziemski hierzu.

 

Warum Unternehmen nicht genügend auf Business Reisen vorbereitet sind

Das Bestreben sei laut Ziemski da, nur hapere es schon oft an der Durchführung. Unternehmen sind nicht selten ungenügend auf Business-Reisen vorbereitet. Ein ein- oder zweitägiger Kurs in theoretischer Sicherheitsschulung für Business Reisen im Heimatland mit anschließender kurzer Einweisung im Zielland sei unzureichend: „Das ist in etwa so, als wenn Sie von sich erwarten würden nach zwei Tagen Theorie und einer Fahrstunde Auto fahren zu können – es klappt nicht. Und das Gleiche gilt bei der Integration und der Sicherheit von Expats, zumindest wenn Sie Ergebnisse erzielen und nicht nur gesetzliche Mindestanforderungen erfüllen wollen.“          

Auch gebe es keine zuverlässigen Daten zu Entführungsfällen. Was Expats für die eigene Sicherheit lernen müssen, sollte sich also auch Business Reisende aus Deutschland zu Gemüte führen. Möchte man Entführungen im Ausland vermeiden, sei die wichtigste Sicherheitsmaßnahme generell immer die Vorhersehbarkeit der Bewegung und des Aufenthaltes der Schutzperson für Außenstehende so schwierig wie möglich zu machen. Was Ziemski seinen Expats deshalb immer beibringt: „Unterschiedliche Routen, Zeitpläne, Fahrzeuge, Fahrer und absolutes „ need to Know „ und „low Profile“ sind die Grundlagen für die Sicherheitsstrategie“.       

Auch vor Krankheiten und Ansteckungsgefahren muss ausreichend präventiv geschult werden. Ziemski selbst habe aufgrund der guten Vorbereitung der Expats und deren Familien bezüglich Impfungen und medizinische Vorbereitungen beim Auslandsaufenthalt zum Glück aber nur wenige Fälle verzeichnet.

 

Nicht nur die Sicherheit auf Business Reisen – auch die Sicherheitsdienstleistungen unterscheiden sich

Der Unterschied sei erheblich, so sei der Ausbildungsstandard in afrikanischen Ländern weit unter dem was wir hier in Deutschland gewohnt sind. Auch von der Arbeitsauffassung gebe es Unterschiede. „Trotzdem arbeite ich fast ausschließlich mit afrikanischen Kollegen zusammen, denn sie haben einen großen Vorteil – Sie wissen was normal ist und sind meist sehr gut vernetzt“, so Ziemski. Nur wer wisse was normal ist, könne auch mögliche Gefahren und Veränderung erkennen und entsprechend reagieren. „Und ohne gute Verbindungen in Afrika geht gar nix. Was an Ausbildung fehlt, kann beigebracht bzw. trainiert werden, so der Experte anschließend.  

Die Eventbranche allerdings habe ähnlich Vorschriften, wie in Deutschland auch. „Wenn nicht sogar noch mehr. Ich habe diese Information nur von Kollegen aus Südafrika, die in dieser Branche aktiv sind“, gibt uns Ziemski zum Schluss noch mit auf den Weg. Es unterscheide sich demnach nicht nur die Sicherheit auf Business-Reisen, auch die Sicherheitsdienstleistung.

 

Noch immer gibt es Fälle, in denen Menschen auf die harte Tour lernen müssen, dass die präventive Sicherheit vor ihrer Business Reise nicht ausreichend war. Eine Überlegung wäre es, aus den Erfahrungen im Schutz von Expats zu lernen und sie in die deutschen Sicherheitsmaßnahmen vor Auslandsreisen zu integrieren. Von Sicherheitsexperten lernen und selbst zu Sicherheitsexperten werden.

 

© Bild Teaser: © Viacheslav Iakobchuk - stock.adobe.com© Bild Porträt: Tom Ziemski

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