Sichere Gemeinde: Facetten des Notfall- und Krisenmanagements

2019-06-25 03:16 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Das Thema Sicherheit hat viele verschiedene Aspekte und erfordert den Weitblick. Über die Geschehnisse in der Welt oder zum Sicherheitskonzept im Einsatzort wissen Sicherheitsexperten und -fachkräfte bestens Bescheid.

Doch wie oft wird der Blickwinkel schon auf die Sicherheit in der eigenen Umgebung gelenkt? Sicherheitsberater Gerhard Link hat die Sicherheit seiner eigenen Gemeinde kurzerhand zum Thema gemacht und die Facetten des Notfall- und Krisenmanagements unter die Lupe genommen.

Das Interessante: es handelt sich nicht um irgendeine Gemeinde. Das baden-württembergische Rust mit seinen über 4.000 Einwohnern, hat aufgrund des benachbarten Europaparks auch täglich bis zu 15.000 Übernachtungsgäste. Daraufhin musste das Krisenkonzept angepasst werden. Gerhard Link berichtet für SECmarket mehr zum Thema sicheres Krisenmanagement:

 

Kleine Gemeinde ganz groß: Auf den Notfall vorbereitet

sicherheit-in-gemeinden-feuerwehr-krisenmanagement-secmarket-gerhard-linkFür Städte und Gemeinden ist Notfallmanagement zu einem ernsten Thema geworden. Extreme Wetterereignisse häufen sich, Terror- und Cyber-Attacken können auch Kommunen unvorbereitet treffen. Kommunen sind verpflichtet, Bürger mit dem Notwendigsten wie Trinkwasser, Lebensmitteln und Energie zu versorgen. Das wird in Gemeindeordnung und Landeskatastrophenschutzgesetz gefordert. Um dies zu erreichen, müssen Gemeinden und Städte in Sachen Notfall- und Krisenmanagement einiges tun.

Wirtschaftlich gesehen ist das Dorf Rust in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und aufgrund des beliebtesten Freizeitparks Deutschlands inzwischen ein wahrer Tourismusmagnet. Mit jährlich über 5 Millionen Besuchern und bis zu 15.000 Übernachtungsgästen pro Tag kann man eigentlich nicht mehr von einem kleinen Dorf reden, sondern, zusammengefasst mit der Einwohnerzahl, eher von einer Kleinstadt.

Notfallmanagement ist unerlässlich für die Sicherheit einer Gemeinde

Die Fakten verdeutlichen die außergewöhnliche Situation der Gemeinde. Es stellt sich die Frage, wie man diese mit den gesetzlichen Forderungen zum Thema sicheres Notfallmanagement vereinbart. Gemäß Gemeindeordnung und Landeskatastrophenschutzgesetz sind hier bestimmte Sicherheitsmaßnahmen einzuleiten und zu integrieren. Eine schnell wachsende Gemeine wie Rust stellt das vor eine große, aber nicht unlösbare Herausforderung.

Den wachsenden Herausforderungen und Aufgaben im Bereich Bevölkerungs- und Krisenschutz, wurde sich die Gemeinde Rust schnell bewusst. Die Ortschaft, von Gemeindeverwaltung bis freiwilliger Feuerwehr, hat somit schon recht früh damit begonnen, entsprechende Sicherheitskonzepte auszuarbeiten bzw. bestehende Pläne zu aktualisieren.

In diesem Zuge wurde die freiwillige Feuerwehr mit neuer Technik ausgestattet, die standardmäßig für Sicherheitsmaßnahmen in Kleinstädten eingesetzt wird. Bei einem Brand im benachbarten Freizeitpark 2018 wurde diese Technik bereits eingesetzt und hat sich bewährt.

 

Wenn die Schulturnhalle eine besondere Rolle einnimmt

Im Interview mit Alexander Schindler, Brandmeister und Verantwortlicher für Bevölkerungsschutz in Rust, wurde das Vorgehen der Gemeinde näher erläutert. Dabei hebt er die Lage der Gemeinde Rust besonders hervor: „Wir unterscheiden uns zu anderen Gemeinden mit 4.5000 Einwohnern durch diese extrem hohe Übernachtungszahl. Dadurch müssen wir in den Sphären einer Kleinstadt planen“, so der Brandschutzmeister des süddeutschen Örtchens. „Unsere Lage hat extremen Einfluss auf sämtliche Bauvorhaben der Gemeinde – zusammen mit Münchner Ingenieuren haben wir einen Krisenmanagement-Plan erstellt, der unsere Rheingießenhalle und weitere Neubauten mit einbezieht.“ Auf eventuelle Stromausfälle sei die Gemeinde demnach vorbereitet und mit ausreichend Unterkunftsmöglichkeiten ausgestattet.

 

Krisenarbeit geht ins Detail

Das Krisenmanagement geht bis ins kleinste Detail. Das fängt bei der Amtsstruktur an. Eine genaue Analyse dieser Struktur ist wichtig für die Aufgabenverteilung im Krisenstab. Die Gemeinde Rust hat sich hierfür Sicherheits-Fachexperten zur Hilfe geholt und eine Gefahrenmatrix erstellt, die aufzeigt, wie in Gefahrensituationen umzugehen ist.

Ein Krisenstab für außergewöhnliche Ereignisse tritt im Alarmfall innerhalb kürzester Zeit in einer notstromversorgten Einrichtung zusammen. Denn im Falle eines Großschadensereignisses ist es zwingend notwendig, dass ein Krisenstab sicher und störungsfrei arbeiten und handeln kann. „Jeder weiß genau, was er wann zu tun hat“, so Schindler weiter. „ Es werden Lotsedienste installiert, die sich um die Lenkung der Personen kümmern. Die Polizei ist hier natürlich ganz enger Partner und kümmert sich um die Registrierung und Meldung der Menschen.“

 

Krisenarbeit hört nie auf

Ein Konzept ist kein starres Manifest, monatlich werden Checklisten und die Kontaktdaten der Ansprechpartner überprüft und angepasst sowie Defizite unmittelbar behoben. Krisenfälle werden zweimal jährlich geübt. Das geschieht zusammen mit dem gesamten Stab und zusätzlichen Beratern.

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Die Feuerwehr der Gemeinde Rust beim Proben von Notfällen und Krisen

 

Fazit:

Rust ist sich seiner Verantwortung gegenüber den Einwohnern und den Gästen bewusst. Deshalb arbeitet die süddeutsche Gemeinde ständig daran, den Status hinsichtlich des Bevölkerungsschutzes auf dem neusten Stand zu halten und entsprechend auszubauen.

 

Warum ist Krisenmanagement wichtig?

Am Beispiel Rust wird recht schnell klar, dass gute Notfallplanung und Krisenmanagement für Kommunen, Unternehmen oder Organisationen äußerst wichtig sind. Stellt man sich nur vor, dass es in einer Kommune eine solche Sicherheitsplanung nicht gäbe, so wäre das Chaos schon vorprogrammiert. Vor allem in Gemeinden wie Rust, wo im ungünstigsten Fall etwa 20.000 Menschen mehrere Tage sicher versorgt werden müssten.

Eine gute Präventivarbeit verhindert zwar nicht, dass Störungen gänzlich vermieden werden können, aber es gewährleistet ein großes Stück Sicherheit, weitestgehend für möglich eintretende Szenarien gewappnet zu sein, um diese strukturiert abarbeiten zu können und Menschen sicher zu versorgen.

 

© Bild Teaser: Sauerlandpics - stock.adobe.com

© restliche Bilder: Gerhard Link

 

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