Sind die Bildungsangebote ausreichend?

2017-09-06 02:27 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

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Verschiedene Blickwinkel – Neben Sicherheitsdienstleistern, Auftraggebern und Jobsuchenden, finden sich auch Bildungseinrichtungen und Ausrüster in den Apps SECmarket Business und SECmarket Jobfinder wieder.

In unserem aktuellen Interview erhalten Sie deshalb Einblick in den Alltag einer Bildungseinrichtung aus der Sicherheitswirtschaft. Geschäftsführer der Akademie für Schutz und Sicherheit, Andreas Burgdorf, erklärt uns aus seiner Sicht, wie viel Ausbildung eine gesuchte Sicherheitskraft unter anderem braucht, wie sich die Inhalte geändert haben und welche Förderungsmöglichkeiten es gibt.

 

Herr Burgdorf, die Nachfrage nach gutem Sicherheitspersonal ist sehr groß. Sicherheitskräfte sind gesucht, der Ruf allerdings schlecht. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Der hohe Bedarf von Bewachungsunternehmen an gesuchten Sicherheitskräften bezieht sich hauptsächlich auf den niedrig qualifizierten Bereich. Aufgrund der prozentual hohen Gewichtung der Mitarbeiter mit niedriger Ausbildung im Verhältnis zur Gesamtanzahl an Mitarbeitern mit Bewachungstätigkeiten im bundesweiten Raum, nehmen andere Menschen auch diese öfter wahr und bewerten insbesondere Auftreten und Handlungsweisen dieser Sicherheitsmitarbeiter. Eine ungenügende Ausbildung oder nicht vorhandene Weiterbildungen beeinflussen diese nach außen sichtbaren Faktoren und unterstreichen bzw. stärken den in der Bevölkerung vorhandenen schlechten Ruf.

Die Aus- und Weiterbildungsangebote werden in der Sicherheitsbranche als unzureichend eingestuft. Wie ist Ihre Sicht auf diese Aussagen?

Die Aus- und Weiterbildungsangebote der Sicherheitsbranche sind mehr als ausreichend. Insbesondere ein starker Bundesverband, der Ausbildungsträger für die Sicherheitsbranche zertifiziert und Mitgliedsunternehmen auf der Suche nach Angeboten unterstützt, und eine Vielzahl an privaten Bildungsunternehmen in Deutschland unterstreichen diese Aussage. Jedoch wird durch den enormen Preisdruck der Bewachungsunternehmen eine fehlende Motivation der Sicherheitsmitarbeiter an eigeninitiativer Aus- und Weiterbildung bewirkt – es fehlt an der Bereitschaft, den Sicherheitsmitarbeiter für höhere Qualifikationen vernünftig zu entlohnen. Zusammengefasst fehlt es folglich nicht an Angeboten, sondern eher an der Bereitschaft, diese Angebote anzunehmen. Dabei werden von Unternehmen gut ausgebildete Sicherheitskräfte gesucht.

Wie viel Ausbildung braucht es für einen Sicherheitsmitarbeiter?

Grundsätzlich benötigt jeder Sicherheitsmitarbeiter die gewerberechtliche Einstiegsqualifikation – geregelt durch die Bewachungsverordnung. Anschließend kommt es auf das individuelle Tätigwerden des Sicherheitsmitarbeiters im Allgemeinen und auf den Bewachungsauftrag im Speziellen an. Allumfänglich betrachtet, benötigt jedoch jeder Sicherheitsmitarbeiter eine Grundsubstanz an Fähigkeiten und Fertigkeiten, um seinen Dienst bestmöglich durchführen zu können, denn solche Sicherheitskräfte sind gesucht. Dazu gehören u. a. Kenntnisse im Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz, welche immer stärker durch die Bewachungsaufträge gefordert werden. Durch die sich wandelnden Anforderungen an Industrie und Wirtschaft muss sich auch das Bewachungsunternehmen ständig anpassen – dazu gehören auch seine Sicherheitsmitarbeiter.

Seit 2006 bilden Sie nun schon Sicherheitskräfte aus. Inwiefern haben sich die Ausbildungsinhalte im Allgemeinen in den Jahren weiterentwickelt?

Eine Vielzahl an Leistungsangeboten im Bereich Bildung unterliegt klar geregelten Strukturen, insbesondere sachlich, zeitlich und inhaltlich. Daher haben sich die meisten Ausbildungsinhalte wenig bis überhaupt nicht geändert. Die meisten Änderungen entstehen durch Anpassungen der Schwerpunktinhalte Rechtskunde durch den Gesetzgeber oder Änderungen in Normen- und Regelwerken. Der Trend von Nachfragen aus der Sicherheitswirtschaft geht jedoch sehr stark zur Individualisierung von Ausbildungsinhalten für die Sicherheitskräfte, die dringend gesucht und gebraucht werden. Speziell die Industrie fordert vermehrt individuelle Ausbildungskonzepte, um die speziell an das Unternehmen gerichteten Anforderungen zu erfüllen. Nicht zuletzt fließen dort auch sehr viele Zusatzinhalte ein, um unternehmensintern Schnittmengen zu schaffen, bspw. bei den Brandschutzhelfern oder Ersthelfern. Die klassische tarifierte Ausbildungshierarchie der Sicherheitsbranche wird zunehmend „aufgeweicht“ und überwiegend  in der Nachfrage durch individuelle Breitenqualifizierung ersetzt.

Die Sachkundeprüfung ist der Grundstein für alles Weitere in der Sicherheitsbranche. Wie ausreichend finden Sie die reine Sachkundeprüfung an sich?

Für das Tätigwerden einer gesuchten Sicherheitskraft im normalen Aufgabenspektrum ist die Sachkundeprüfung ausreichend, sofern sie durch weitere themenspezifische Weiterbildung ergänzt wird. Durch die gesetzlichen Vorschriften ist es einem Sachkundigen jedoch auch möglich, den Weg in die Selbstständigkeit zu beschreiten – ein gefährlicher Schritt. Fehlende betriebswirtschaftliche Kenntnisse, bspw. in der Kalkulation von Stundenverrechnungssätzen, und mangelnde Berufserfahrung begleiten den Sachkundigen auf diesem Wege. Nicht zuletzt durch eine dadurch begründete Vielzahl von gescheiterten Versuchen auf dem Bewachungsmarkt, obwohl Sicherheitskräfte gesucht werden, hat den Druck auf die etablierten Sicherheitsunternehmen verstärkt.

Für eine Tätigkeit als Unternehmer wünschen wir uns die gleichen Regelungen, wie sie auch für andere Branchen gelten – Mindestvoraussetzung Facharbeiter/-n  oder geprüfter Meister/-in.

Zu Ihrem Unternehmen: Sie bieten sowohl Präsenz- als auch Fernlehrgänge an – welches Modell ist gefragter?

Aufgrund der zunehmenden Anforderungen an Unternehmen in Bereichen der Flexibilität und Kostenreduktion trotz steigender Anzahl gesuchter Sicherheitskräfte wird es nachvollziehbar wichtig, Ressourcen optimaler zu planen. Dazu gehört auch der Sicherheitsmitarbeiter im Unternehmen, welcher nicht immer selbstverständlich für eine Weiterbildung freigestellt werden kann. Speziell bei längeren Veranstaltungen kommen Reise- und Übernachtungskosten hinzu – ein Grund mehr für die Unternehmen, verstärkt Fernlehrgänge und E-Learning bzw. Blended-Learning, Angebote anzufragen.

Nach wie vor wird aber auch der Präsenzlehrgang gern gebucht. Der Vorteil dieses klassischen Modells besteht darin, dass sich die Teilnehmer während des Lehrgangs intensiv mit der behandelten Thematik befassen und bei Verständnisschwierigkeiten oder tiefergehenden Fragen im direkten Dialog mit den Dozenten stehen.

Welche Aus- und Weiterbildungen gehören zu den Top-Buchungen bei Ihnen?

Aufgrund des hohen Bedarfes an Sicherheitsmitarbeitern steht die Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe sehr weit oben. Nicht zuletzt werden aber durch die individuellen Ausbildungskonzepte der Industrie, Ausbildungen im Bereich Brandschutz und Qualitätsmanagement gefordert, welche sich durch wachsende Buchungszahlen messen lassen. Auch die Ausbildung zum geprüften Meister für Schutz und Sicherheit (IHK) ist eine der meist wahrgenommenen Angebote. Sicherheitskräfte werden immer dringend gesucht.

Ihre Empfehlung: wie regelmäßig und umfänglich sollten Mitarbeiter aus der Sicherheit sich weiterbilden?

Der Umfang hängt von den Bedürfnissen des Bewachungsunternehmens und dessen Bewachungsauftrages ab. In enger Zusammenarbeit sollte für jeden Sicherheitsmitarbeiter, bzw. Mitarbeiter mit zusammenfassbaren Tätigkeiten, ein allgemeines Weiterbildungskonzept erstellt und aufrechterhalten werden, welches auch als Entwicklungskonzept gesehen werden sollte. Die Regelmäßigkeit bezieht sich unseres Erachtens auf den Sicherheitsmitarbeiter selbst, gemessen an seiner individuellen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft.  In diesem Zusammenhang sollten individuelle Regelmäßigkeiten festgelegt werden. Aus Erfahrungswerten heraus hat sich eine halbjährliche Auffrischung oder Erweiterung von Kenntnissen als sinnvoll herausgestellt.

Welche Förderungsarten gibt es sonst (z. B. staatlich)?

Hierbei unterscheiden sich bundesrechtliche und landesrechtliche, sowie kommunale Förderungen.  Für Aus- und Weiterbildungen gesuchter Sicherheitskräfte gibt es eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten, welche sich sehr an die individuellen Voraussetzungen des Antragsstellers richten. Einen vollumfänglichen Überblick darstellen zu können, ist fast unmöglich. Grundsätzlich ist es fast immer möglich, ein Bildungsvorhaben in Deutschland unterstützen zu lassen – wenn auch nicht immer in voller Höhe. Daher empfiehlt es sich, vor Antritt einer Aus- und/oder Weiterbildung eine Beratung bei einem Ausbildungsträger anzufordern, um die individuelle Förderbarkeit des Vorhabens abklären zu können.

Sie besitzen ein eLearning-Portal? Können Sie uns erläutern, was mit diesem alles möglich ist?

In der bestehenden Umsetzung soll es das Portal ermöglichen, prüfungsvorbereitende Ausbildungsinhalte zu vermitteln und praxisnahe Nacharbeit von Präsenzschulen zu ermöglichen. Derzeit wird das Portal erweitert; nach Fertigstellung soll es in der Lage sein, gesamte Schulungsangebote vermitteln zu können – moderiert und unterstützt durch Tutoren und Live-Chat-Funktionen. Ziel soll es sein, Unternehmen weiter in ihrer Flexibilität unterstützen zu können und ein breites Angebot an Aus- und Weiterbildung, ohne Ausfallzeiten, anbieten zu können. Gerade in Zeiten, wo gut geschulte Sicherheitskräfte dringend gesucht werden.

Inwiefern sehen Sie das Ausbildungsportal von SECmarket als eine zukünftige Möglichkeit für Sie und Ihre Kunden?

Auf dem Ausbildungsportal SECmarket kommen die verschiedensten Interessengebiete der Sicherheitsbranche zusammen. Zudem bietet es eine gute Plattform zum Networking und Erfahrungsaustausch und hilft somit, unseren Bekanntheitsgrad weiterhin zu steigern und auf unsere Aus- und Weiterbildungen oder Jobangebote gezielt aufmerksam zu machen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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© Bild: Akademie für Schutz und Sicherheit

 

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