Keine reine Männerdomäne! Warum Frauen die Sicherheitsbranche erobern

2019-03-08 07:15 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Nur ein Job für starke Männer? Keineswegs! Um die insgesamt 60.000 Frauen beweisen inzwischen in der Sicherheitsbranche Stärke und das nicht nur körperlich. Denn oft haben sie eine ganz andere Wirkung auf die Menschen, mit denen sie arbeiten, wirken deeskalierend und zugänglicher bei Anliegen. Frauen sind also nicht ausschließlich im Einlassbereich der Veranstaltungssicherheit unabdingbar, generell werden weibliche Sicherheitsfachkräfte als Ansprechpartnerinnen dringend gebraucht und erobern so die Sicherheitsbranche.

Inzwischen bieten Detekteien und Sicherheitsdienste sogar vermehrt Dienstleistungen „speziell für die Frau“ an, in denen ausschließlich Frauen aus dem Sicherheitsdienst beratend agieren und eingesetzt werden. Kein Wunder, dass inzwischen auch eine Women-In-Security-Initiative gegründet wurde – ein Netzwerk, das Frauen in der Branche begleitet und berät.

Wir haben mit zwei Frauen aus dem Sicherheitsgewerbe gesprochen – Sie verraten uns, ob sie mit Klischees und Herausforderungen zu kämpfen haben und warum diese kein Grund sind, nicht in einer Männerdomäne zu arbeiten.

Maria Föse – Veranstaltungssicherheit

maria-foese-loewen-sicherheit-im-einsatzSeit 2017 arbeitet sie für das Leipziger Sicherheitsunternehmen Löwen Sicherheit im Bereich Veranstaltungssicherheit und -absicherung:

Wie kamen Sie dazu in der Sicherheitsbranche zu arbeiten?

Ich bin durch eine Freundin auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Das war im Jahr 2017. Sie berichtete viel aus ihrem Tätigkeitsbereich bei der Löwen Sicherheit und dass gutes Personal immer gebraucht wird.

In welchen Einsatzbereichen sind Sie tätig?

Meine Tätigkeit bei der Löwen Sicherheit beschränkt sich auf die Veranstaltungssicherheit und -absicherung und gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Ich wurde bisher in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Einlass als Blockerin und Checkerin
  • Innenraum
  • Platzanweiserin
  • VIP-Bereich
  • Protokollführerin
  • Evakuierung (überwiegend im Stadion Leipzig)

Haben Sie mit Klischeeproblemen zu kämpfen?

Ich selbst konnte zum Glück noch keine derartigen Probleme feststellen. Ab und an kommt es vor, dass Gäste Sprüche, wie „typisch Frau“ äußern, aber das beziehe ich dann nicht auf meine Person. Ich denke, dass es eher ein Gesellschaftsproblem ist und man damit locker umgehen sollte.

Was sind die größten Herausforderungen einer Tätigkeit innerhalb einer Männerdomäne?

Da ich hauptberuflich in einer Männerdomäne herangewachsen bin, stellt sich das für mich nicht als Herausforderung dar. Herausforderungen werden nicht explizit von einer Personengruppe geschaffen, sondern vom gesamten Umfeld. Wie man mit Klischees und Vorurteilen umgeht, das ist eine reine Persönlichkeitssache.

Wieso machen Sie den Job?

Ich habe nach einer neuen spannenden Aufgabe gesucht, bei der ich mir meine Zeit selbst einteilen kann. Für mich ist es ein Ausgleich zum täglichen Dienstgeschäft, da hier der Umgang mit Menschen an erster Stelle steht. Gleichwohl gibt es auch finanzielle Anreize und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens. Interessant an diesem Job finde ich auch, dass man viele verschiedene Veranstaltungen am Rande mitverfolgen kann. Was mir besonders positiv aufgefallen ist: Gute Leistung wird auch mit Anerkennung gewürdigt.

Kommen Menschen gezielt auf Sie zu und wie sehr häuft sich das?

Ich selbst bekomme oft mit, dass gerade am Einlass die männlichen Gäste gezielt auf weibliches Personal zugehen. Ich denke aber, das ist der Tatsache geschuldet, dass Frauen mehr Verständnis zeigen als so manche männlichen Kollegen.

Was sind Ihre Stärken gegenüber den Männern?

Ich denke, dass ich mich aufgrund meines Einfühlungsvermögens schneller in die Lage eines Besuchers hineinversetzen kann und reagiere gegenüber aufgebrachten Gästen vielleicht etwas beschwichtigender.

Wieso braucht die Branche Frauen?

Ich bin der Meinung, dass auf Frauen in dieser Branche nicht verzichtet werden kann. Ohne Frauen würde es zu Problemen kommen. Insbesondere am Einlass muss die Personenüberprüfung bzw. der Bodycheck der weiblichen Gäste auch von Sicherheitsmitarbeiterinnen durchgeführt werden. Ich persönlich fände es gut, wenn die Frauenanzahl in der Branche noch weiter wächst.

Was möchten Sie Frauen aus der Sicherheit mit auf den Weg geben?

Bleibt so authentisch wie möglich. Wenn Probleme mit Gästen oder Mitarbeitern auftauchen, dann wendet euch sofort an die Vorgesetzten. Ihr müsst keinesfalls alles einstecken. Habt keine Angst vor neuen Herausforderungen.

Ich denke, wer immer freundlich, selbstsicher und kollegial auftritt, wird in dieser Branche schnell Fuß fassen. Was mir selbst oft die Türen öffnet, ist mein unternehmerisches Denken. Ich kann zum einen meinen Auftrag stets zur Zufriedenheit meiner Vorgesetzten erfüllen und zum anderen trotzdem den Gästen Verständnis entgegenbringen. Das eine muss das andere nicht ausschließen.

 

Sandra – Detektivin

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Seit 2012 ist sie in der AED Detektivkanzlei für den Unternehmensbereich „Detektivin Sachsen - von FRAU zu FRAU“ tätig:

Wie kam es dazu, speziell Detektivleistungen einer Frau nur für weibliche Interessentinnen anzubieten?

Der Detektivberuf ist sehr männerdominiert, weibliche Detektive sind also eher weniger vertreten. Wir haben über die Jahre aber immer wieder festgestellt, dass Mandantinnen sich unseren männlichen Ermittlern gegenüber häufig nicht so öffnen können, wie es manchmal notwendig wäre. Im privaten Bereich vertraut sich eine Frau allerdings auch eher einer Frau an,  statt einem Mann, um beispielsweise über das Fehlverhalten ihres Partners zu sprechen. 

Die Anfragen von Frauen an Herrn Ullraum, ob denn die Möglichkeit bestehe, nur mit einer Frau sprechen zu können, häuften sich irgendwann. So hat es sich ergeben, dass die AED Detektivkanzlei speziell für unsere weiblichen Mandantinnen eine Anlaufstelle in Form einer Ansprechpartnerin und Einsatzleiterin geschaffen hat.


Der Menge an weiblichen Anfragen kommen wir nun seit 2012 mit dem Unternehmensbereich „Detektivin Sachsen - von FRAU zu FRAU“ entgegen.

Wie voll ist das Auftragsbuch hierzu?

Generell wird die vorhandene Option gern in Anspruch genommen. Das Interessante: Auch Männer kommen häufig auf mich zu, weil sie beispielsweise mit Unterstützung einer Frau das Verhalten der eigenen Partnerin analysieren möchten.

Wie dürfen sich weibliche Interessentinnen einen Beratungstermin vorstellen?

Sobald etwaige Anfragen an mich gestellt werden, wird gleich der erste Beratungstermin eingeräumt. Die Zusammenarbeit findet dann mit Herrn Ullraum und mir in beratender sowie operativer Form statt. 

Haben Sie mit Klischeeproblemen zu kämpfen?

Glücklicherweise habe ich keine Erfahrungen mit Klischeeproblemen. Meine Berufskollegen schätzen mich und meine Leistung. Die Angst vor Klischeeproblemen sollte Frauen vor einer Männerdomäne also nicht zurückhalten. Was zählt ist Leistung.

Wieso lieben Sie den Job?

Mein Anreiz ist nicht das Adrenalin während der Observation.

Ich mag meinen Beruf deshalb, weil ich Unternehmen und Privatpersonen individuelle Lösungen anbieten kann, um etwaige Konflikte, Schwachstellen und Fehlverhalten aufzuklären beziehungsweise zu vermeiden. 

Was sind Ihre Stärken gegenüber den Männern?

Die Frage ist schwierig zu beantworten. Ich würde sagen, ein großer Vorteil ist, dass ich als Frau in Bereichen verdeckt recherchieren kann, in die ein männlicher Kollege hingegen kaum unbemerkt hinkommt. Ich würde z. B. nie als Bauarbeiter in ein Unternehmen gehen, um dort verdeckt Diebstähle und Korruption zu dokumentieren. Ich bin, auch aufgrund meiner Ausbildung, eher in den administrativen Berufen gefragt. 

In welchen Einsatzbereichen sind Sie tätig und gibt es auch Stalking-Fälle, die Sie betreuen?

Ich bearbeite recht selten Fälle von Nachstellung oder Stalking. Das ist nicht mein Fachgebiet. Ich fühle mich in den Bereichen der Unterhaltsdelikte und dem klassischen Ehebetrug wohler. Im wirtschaftlichen Bereich stehe ich meinen männlichen Kollegen in nichts nach. Hier sind meine Schwerpunkte auf Betrugsdelikte in Unternehmen gesetzt. 

Was sollten Frauen mitbringen, die in der Detektivbranche aktiv sein möchten?        

Grundkenntnisse, qualitativ hochwertige Ausbildungen und eine gefestigte Lebenseinstellung – Das sollten Frauen in dem Detektivberuf sowie auch in der Sicherheitsdienstleistung auf jeden Fall besitzen.

 

Vielen Dank für die Interviews!

 

© Bilder: SECmarket GmbH / AED Detektivkanzlei

 

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