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111 Einsatzbereiche: Crowd Management

111 Einsatzbereiche: Crowd Management

2018-10-15 11:16 von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Hier kommt einiges zusammen. Kein Wunder, dass es der Einsatzbereich in sich hat, schließlich ist er die Basis der Veranstaltungssicherheit. Markus Bernat von der Special Security Services Deutschland SSSD berichtet im Interview mit SECmarket über die Arbeit eines Crowd Managers, Voraussetzungen und die Zukunft des Einsatzbereichs.

Zusätzlich erzählt er, wie sich die Auszeichnung zum Sicherheitsmitarbeiter des Jahres 2018 anfühlt.

Zum Unternehmen

Die Special Security spezialisiert sich seit 1986 auf die Veranstaltungssicherheit/Tourbegleitung/Crowd Management. Den Besuchern eine gute Veranstaltung zu ermöglichen, ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu geben, sie zu lenken und als Ansprechpartner zu agieren, gehört ebenso dazu, wie die Planung an sich.

Qualität zu gewährleisten möchte das Unternehmen zusätzlich durch regelmäßige Schulungen und Trainings für die eigenen Sicherheitsmitarbeiter.

Herr Bernat, Sie sind Sicherheitsberater, Einsatzleiter, Crowd Manager. Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Da kommt vieles zusammen:

  • Ich plane im Vorfeld mit,
  • führe alle wichtigen Besprechungen mit den Betreibern der Location und Behörden durch,
  • gleiche ständig mit Tour-Security oder Tour-Veranstalter ab,
  • und arbeite die Anweisungen in die Dispo ein.

Das muss so ordentlich geschehen, dass letztendlich alle zufrieden sind. Im Notfall switche ich Personal je nach Eignung um. Auch die Durchführung vor Ort gehört natürlich dazu, wie auch Feedbackrunden im Nachgang, das Nacharbeiten von Kosten usw.

Was ist das Crowd Management?

Ganz klar: dahinter steckt die Aufgabe, Besucherströme sicher und geordnet zu den relevanten Punkten zu bringen, dieses Leiten ordentlich zu organisieren und die Menschen dabei ohne Druck zu steuern.

Ich könnte ich einen ganzen Bericht darüber erstellen, so umfangreich ist diese Tätigkeit. Es wird sich letztendlich gesamtumfänglich um die Besucher gekümmert, wir stellen sicher, dass sie erfahren, wie sie im Notfall wohin kommen, auch wenn es „nur“ bis zur Bahn ist.

Die Loveparade 2010 wird noch lang in den Köpfen bleiben. Nicht zuletzt durch die Medienberichterstattung um den Prozess. Was ist seit dem Vorfall anders?

Die Behörden sind sensibler geworden. Man merkt viel stärker, dass die Vorgaben, so wie sie sie festgelegt und umgesetzt haben wollen, strenger verfolgt werden. Schließlich haften sie dafür und  haben gesehen, was passieren kann. Die meisten sind offener und bemerken, dass auch andere Ahnung haben und so das Ergebnis verbessern oder Fachwissen vermitteln können.

Leider sind bei der Loveparade 21 Menschen gestorben, das kann niemand wieder gut machen, egal was sich ändert. Umso bewusster sind wir uns aber über die Wichtigkeit unseres Tuns.

Ist die mangelnde Qualifizierung in der Branche Schuld daran, dass es zu solchen Ereignissen kommt?

Natürlich auch, jeder kann ein Gewerbe eröffnen und quasi einfach loslegen, egal mit welcher Qualifikation oder Voraussetzung, man muss gar nichts mitbringen, das ist traurig und grenzwertig. Wir verkaufen Sicherheit und schützen Menschenleben, Wertsachen und Gebäude und zwar in der ganzen Branche. Dabei weiß man  eigentlich: Wenn man billig wählt, kann man nicht viel erwarten.

Es müsste auch mehr durch die Politik geschehen. Sicherheit braucht einfach Qualifikation, Preis und – ganz wichtig – Menschlichkeit. Die Mitarbeiter sollten nicht weiter verheizt werden und die nötige Freizeit ermöglicht bekommen.

Festival-Saison ist Hochsaison in der Veranstaltungsbranche. Wann starten für gewöhnlich die Planungen rund um ein großes Sommer-Event?

Anfang des Jahres stehen bereits Besichtigungen, Gespräche und Kalkulationen an, das zieht sich bis hin zum Festivaltag. Meist gibt es immer wieder neue Änderungen etc. Alles zusammen ist ein enormer Aufwand im Vorfeld, da kann es unter Umständen schon ein halbes Jahr lang stetig und regelmäßig zu Anpassungen kommen. Es kommt aber natürlich immer darauf an, was es für eine Veranstaltung ist und wo sie stattfindet.

Was sollte ein Crowd Manager itbringen?

Es gibt in Deutschland nicht wirklich etwas Anerkanntes, das Sicherheitsmitarbeiter zum Crowd Manager ausbildet.

Aus meiner Erfahrung heraus ist es deshalb ganz wichtig, ein Gefühl von Menschen zu haben. Das geht über deren Verhalten und Bewegungen, bis hin zum Einschätzen von Zielgruppe, Einflüssen von außen, der Verkehrslage oder dem Wochentag. Man muss gezielt umsetzen und erkennen können, d. h. einfühlsam sein, Fingerspitzengfühl beweisen, all das einfließen lassen und umsetzen oder anpassen können. Es handelt sich demnach um ein komplexes Themenfeld.

Alles in allem ist es wichtig: Ruhe bewahren zu können, Geduld und Weitblick zu besitzen, stressresistent zu sein und Erfahrungen gesammelt zu haben. Ein Crowd Manager muss ein bisschen in die Zukunft schauen können und wissen was passieren wird, sonst ist es unter Umständen zu spät.

Was muss sich für die Zukunft des Crowd Managements ändern?

Dass mehr geschult und eine Ausbildung eingeführt wird. Eine qualifizierte Berufsausbildung über einen längeren Zeitraum ist einfach angebracht, denn man steuert 10.000e von Menschen.

Sicherheit muss teilweise viel ernster genommen werden, ich betone gern nochmal, dass wir Menschenleben schützen. Es muss Wert darauf gelegt werden, wer dafür verantwortlich ist, ansonsten wird das Thema Sicherheit nicht ernst genommen.

Anderes Thema: Sie wurden in diesem Jahr zum Sicherheitsmitarbeiter des Jahres gewählt. Was sind die Hintergründe?

Ein Bekannter aus Hannover hat mich vorgeschlagen, er fragte mich damals, ob ich das machen möchte. Ehrlich gesagt war ich anfänglich nicht überzeugt davon. Ich finde einfach, jeder Sicherheitsmitarbeiter leistet einen großen Beitrag. Nachdem mir aber erklärt wurde, dass es im Grunde um die Beliebtheit des Sicherheitsmitarbeiters geht, habe ich zugestimmt.

Ich muss sagen, dass ich nie mit dieser Flut an Stimmen gerechnet habe. Klar, ich bin immer in ganz Deutschland unterwegs, aber trotzdem bin ich recht bescheiden herangegangen. Ein Gespräch mit der Jury im Nachhinein hat sogar ergeben, dass es recht zeitig ziemlich offensichtlich war. Ich war wirklich begeistert, dass es so viel Zuspruch und viele Stimmen gab, das zeigt mir, dass ich alles richtig gemacht habe.

Woher kommt das, denken Sie?

Ich agiere immer auf Augenhöhe und zeige jedem, dass er wichtig ist. Ich versuche das so gut wie möglich zu vermitteln und möchte mir nur Respekt verschaffen, indem auch ich jedem Respekt zeige. Bisher kommt immer etwas zurück.

Damit hätte ich trotz allem wirklich nicht gerechnet, es war ein schönes Gefühl. Auch wenn in meinen Augen jeder einen großen Beitrag leistet, habe ich mich gut gefühlt und angenommen was Wähler und Jury gesagt haben. Beispielsweise, dass es angenehm war mit mir zu arbeiten und sie es gern zurückgeben wollten.

Was hat sich seitdem verändert?

Ich achte lediglich noch mehr darauf, so zu arbeiten und es auch an Kollegen zu vermitteln.

Die Schweizer App „antavi“  gehört zu den digitalen Projekten im Crowd Management. Wie stehen Sie zu solchen Innovationen?

Ich stehe neuen innovativen Projekten generell offen gegenüber. Man kann immer etwas mitnehmen, wenn man sieht, die Menschen dahinter machen sich Mühe und wollen etwas bewirken.

Sind Sie digital gut unterwegs?

Bei uns ist schon alles sehr digital, auch die Kommunikation mit anderen Kollegen und Partnern. Die Digitalisierung ist ein großer und wichtiger Bereich geworden. Es gibt mittlerweile so viele Apps für den Dienst, den Kalender, zum Organisieren der Reisen, E-Mails etc. Es wird immer offensichtlicher, welche Rolle die Digitalisierung spielt.

Um kurz noch bei den Apps zu bleiben. Was bringt SECmarket Ihnen und Ihren Kunden?

Ein wenig mehr Transparenz und Kommunikation untereinander. Man sollte sich hierbei nicht als Konkurrenz wahrnehmen, sondern das ganze als Bereicherung annehmen. Man kann durch ein solches Projekt immer Neues dazulernen, helfen und Hilfe bekommen. Eben nur transparenter. Wir müssen das Konkurrenzgehabe eliminieren, alles ist ein Geben und Nehmen.

Vielen Dank für das Interview!

 

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© Bild: SSSD GmbH

 

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